Camino de Santiago

Der Weg ist das Ziel
 

Unterwegs auf  Jakobswegen oder anderen Weitwanderwegen

Egal, auf welchen Wegen wir zu Fuß unterwegs sind - wir haben unseren ganzen Krimskrams auf unserem Buckel, den wir von Herberge zu Herberge schleppen und täglich brauchen. Je nach Jahreszeit, Region, Infrastruktur und persönlichen Bedürfnissen weichen die jeweiligen Packlisten allerdings stark voneinander ab. Jeder muß seine persönliche Entscheidung selber treffen und die daraus resultierenden Resultate alleine tragen. Für uns Jakobspilger heißt das:

So wenig wie möglich, so viel wie nötig - je weniger desto besser!

Jakobsmuschel und Pilgerpass

Inzwischen ist die Jakobsmuschel ist das Erkennungszeichen aller Pilger, so wurde mir zumindest gesagt. In Frankreich auf den Hauptrouten und in Spanien habe ich immer die große weiße Jakobsmuschel am Rucksack. Auf Nebenstrecken oder Jakobswegen, die nicht im Liber Sancti Jacobi  stehen, darf es auch mal die kleine Muschel aus Holz oder Metall sein. Auf vielen Strecken reicht mir dann auch einfach meine Jacke, dort ist eine Jakobsmuschel als Emblem aufgenäht. Die große Muschel aus Muschelkalk hat den Nachteil, daß sie immer klappert, wenn der Rucksack bewegt wird. Besonders nachts, wenn andere schlafen wollen ist das nervig.

Der Originalpilgerpass ist besonders auf den letzten 100 Kilometern wichtig, Radpilger brauchen das Original für die letzten 200 Kilometer. Auf den anderen spanischen Strecken reichen auch die anderen Pilgerpässe anderer Jakobusorganisationen. Wer irgendwo von zu Hause startet, kann mitunter seinen Pilgerpass selbst kreieren, ich habe meinen letzten für die Bretagne auch selbst gebastelt. In Spanien ist der Pilgerpass die Eintrittskarte für die Herbergen, in Frankreich ist er einfach nur nett, in Deutschland hängt das von der jeweiligen Etappe ab. In Pilgerherbergen, Kirchengemeinden oder Privatorganisationen werden häufig auch in Deutschland die Originalpilgerpässe verlangt. Für eine richtig lange Strecke ab zu Hause würde ich mindestens die ersten und letzten 100 Kilometer der Strecke auf dem Originalausweis dokumentieren, alle anderen Etappen dazwischen kann man selbst mit Karten verlängern.

Viele französische Jakobspilger nehmen eine Bibel mit und lassen sich jeden Tag eine Seite abstempeln, in Polen hatte ich dafür den Reiseführer genommen und diesen als Pilgerpass mißbraucht.Pilgerpässe gibt es soweit ich weiss bei allen Jakobusgesellschaften, die Jakobsmuschel bieten die Jakobusfreunde Paderborn an. Dort sind noch einige andere interessante Dinge zu finden. 

Rucksack und Rucksackhülle, Bauchtasche, Kameratasche

Mein neuer Rucksack hat das Packvolumen von 28 Litern und faßt maximal 9 Kilo ohne Wasserflaschen. Leider ist er etwas klobiger und kürzer als mein alter Rucksack, auch hat der neue Rucksack keinen anständigen Beckengurt. Völlig überflüssigerweise hat er einen Überzug gegen Regen, ich bevorzuge lieber einen Poncho statt Regenjacke. Nur im Winter nutze ich alle Regenschutzmöglichkeiten aus. Der alte Rucksack hatte aufgrund seiner Länge eine super Paßform im Rücken und zwei Innenfächer, der Rucksack ließ sich von oben und von unten öffnen und war größenverstellbar zwischen S und XL. Ganz oben auf war eine Tasche, die als Getränkefach gedacht war, ich hatte dort aber immer Sonnenbrille, Schreibzeugs, Pilgerpass und Reiseführer verstaut. Leider wird der Rucksack nicht mehr hergestellt, inzwischen ist der Innenreissverschluß kaputt, die wichtigste Tasche oben hat ihren Reißverschluß eingebüßt, der obere Verschluß ist total ausgefranst - es wird Zeit, ihn zur Reparatur zu geben. Der neue Rucksack hat nicht annähernd die Qualität, nur das geringere Eigengewicht  und das größere Packvolumen sprechen für das neue Modell. Ich würde immer den alten bevorzugen, der ist einfach bequemer. Mein Rucksack muß fest und dicht am Körper sitzen, damit er nicht nach hinten zieht. Schweiß bildet sich sowieso darunter, also ist das damit nicht mehr vorhandene Luftpolster irrelevant.

Meine Bauchtasche enthält meistens etwas Kleingeld und Notverpflegung und einen Teelöffel, manchmal auch ein kleines Taschenmesser und Taschentücher. Neuerdings habe ich mich mit einer etwas besseren Kamera ausgestattet, die nicht mehr in die Bauchtasche paßt. Demzufolge mußte eine Schultertasche her, ob die Bauchtasche jetzt wegfallen kann, wird sich zeigen.

Wichtigste Voraussetzung von Bauchtaschen:

  • Sie müssen die wichtigsten Dinge beinhalten, die man
  • schnell ohne lange zu suchen griffbereit haben will und
  • sie dürfen nicht zu schwer sein, weil sie sonst ein Hohlkreuz im Rücken verursachen und das Becken nach vorne ziehen. Das ergibt dann später Rückenschmerzen oder sogar bleibende Schäden an der Wirbelsäule.

Schultertaschen haben oft ein größeres Packvolumen und sind flexibler, dort läßt sich auch mal der Regenponcho griffbereit unterbringen. Allerdings belasten sie sie Schulterpartie einseitig und man muß sich beherrschen, die Tasche mit möglichst wenig Gewicht zu füllen.

Kleine Digitalkameras lassen sich auch gut in der Westentasche verstauen, allerdings muß dafür das Gehäuse dementsprechend gut sein. Meine gebrauchte Sony hat die Prozedur nicht überstanden, ein kleines Körnchen verhindert seit der letzten Tour die Startfunktion - die Objektivklappe öffnet sich nicht mehr.  

Die Rucksackhülle ist bei der An- und Abreise im Flugzeug praktisch. Ohne eine entsprechende Verpackung könnten sich die Schnallen in den Transportbändern des Flughafens verfangen. Außerdem lassen sich in der seesackähnlichen Tasche die Wasserflasche und die Wanderstöcke super verpacken. In den Herbergen oder im Zelt ist der Seesack dann eine komfortable Staumöglichkeit für die zahlreichen kleineren hier aufgeführten Päckchen. Selbstverständlich werden alle Sachen, die unbedingt auch mal einen stärkeren Regenguß aushalten müssen nochmals in extra wasserdichte Taschen oder Tüten gepackt. Ich bevorzuge dafür Plastiktüten von der Gemüsetheke.

Kamera, Ersatzspeicherkarte, Handy, Smartphone, Ersatzbatterien, Navi

Am liebsten bin ich völlig frei ohne Telefon und Internetanschluß unterwegs, manchmal ist aber insbesondere das Handy wichtig, um unterwegs irgendwelche Unterkünfte zu organisieren. Leider gibt es auch kaum noch Telefonzellen. Deshalb habe ich ein uraltes Handy in einer der Jackentaschen, dazu gehört dann auch das entsprechende Ladegerät. Ein Smartphone besitze ich nicht, da momentan der technische Stand noch alle zwei Jahre ein neues Gerät erzwingt. Solange diese Geräte noch keine Lebenszeit von 10 Jahren vorweisen können, reicht mir mein Handy.

Die Möglichkeit Fotos zu machen, sollte man natürlich heutzutage immer haben, ich nutze eine herkömmliche Kamera.

Auf den bekannten Hauptrouten Camino Francés, Camino Aragonés, Camino del Norte, Via de la Plata, Via Podiensis, Voie du Piémont usw. braucht man kein Navigationsgerät. Bisher habe ich mein Gerät nur auf der Via Romea wirklich nötig gehabt. Das Gerät hatte ich mir auch nur angeschafft um die Via Baltica wiederzufinden, die damals völlig desolat ausgeschildert war. Die Streckenführung war praktisch nicht vorhanden. Dadurch komme ich nun allerdings in den Genuß, jede veröffentlichte Strecke akkurat zu planen und ablaufen zu können, die dazugehörige Software ist relativ einfach zu bedienen und schnell zu erlernen. Leider brauche ich deshalb noch ein paar herkömmliche Ersatz Akkus, insgesamt habe ich zwei Ersatz Akkus im Gerät und vier in der Hosentasche. Außerdem fehlt noch das Ladegerät für die herkömmlichen Akkus und das Ladegerät für die Kamera. Insgesamt ist das mehr Technik und Gewicht als Klamotten und Sanitärartikel. Sobald mir ein Akkuladegerät über den Weg läuft, welches alle Geräte laden kann, ist das meines.

Zu den Akkus:

Wenn es mal kälter werden sollte ist es ratsam, sie nachts dicht am Körper zu haben. Bei Kälte verlieren sie ihre Akkuleistung und geben gerade dann den Geist auf, wenn man die besten Fotos machen kann. Auch der Ersatz Akku macht dann schlapp.

Zelt und Isomatte

Auf dem Camino Francés brauchte ich weder Zelt noch Isomatte. Beides hatte ich mir erst später zugelegt um auch auf anderen Strecken unterwegs zu sein. Für die spanischen Wege gibt es detaillierte Informationen für jede Strecke, allerdings sind noch nicht alle übersetzt. Für Wege, die es in mehreren Sprachen Reisebeschreibungen gibt, sind auch ausreichend Unterkunftsmöglichkeiten vorhanden. Auf allen anderen Strecken habe ich mein etwa ein Kilo schweres Zelt plus Heringe im Rucksack, außerdem eine selbst aufblasbare Isomatte und ein oder zwei Erste-Hilfe-Decken gegen die Kälte. Dadurch kann ich die Reisekosten eindämmen, falls doch nur Hotels als Unterkunft die einzige Alternative auf der Strecke bleibt.

Schlafsack und Seiden Inlett

Ein Sommerschlafsack oder ein Seiden Inlett reichen auf den spanischen Jakobswegen und allen anderen Weitwanderwegen als Wärmehülle zumindest im Sommer aus. Im Winter sieht das ganz anders aus: In den spanischen und italienischen Häusern gibt es häufig keine Heizung, dann heißt es "warm einpacken".

In Deutschland und anderen Ländern nehme ich einen Sommerschlafsack und das Seiden Inlett mit in den Rucksack. Falls eine Winter- oder Frühjahrstour ansteht und nur in Hotels oder Pensionen übernachtet werden kann, entfällt natürlich beides. Alternativ könnte mein Winterschlafsack in den Rucksack, der wäre dann allerdings zu klein.

Übrigens: Der Schlafsack und auch die aufblasbare Isomatte sollten nicht in der Packung bleiben. Die Isomatte ist aufgeblasen gut hinter dem Schrank oder unter dem Bett verstaut, der Schlafsack kommt lose in einen Kopfkissenbezug oder auf einen Kleiderbügel, damit die Füllung schön locker bleibt. Die wärmende Wirkung würde sich sonst verflüchtigen.

Hose und Leggins

Meine Wanderhose hat Reißverschlüsse kurz oberhalb der Knie, so läßt sich die lange Hose in eine kurze umfunktionieren. Allerdings habe ich diese Möglichkeit bisher sehr selten genutzt. Oft schützt die lange Hose vor Brennesseln, Ungeziefer wie Zecken, Mücken und Bremsen. Als Ersatzhose habe ich eine 3/4 Leggins, die auch als Nachthose dient. Neuerdings gibt es auch ultraleichte Röckchen, die sind leichter als eine zweite Hose. In Kombination mit kurzen oder langen Leggins sieht das sogar noch gut aus und es läßt sich darin prima wandern. Diese Option haben allerdings nur die Frauen. 

Im Sommer in Spanien darf es dann auch eine ganz kurze Leggins als Ersatzhose sein. Wenn mein Rucksackvolumen es noch zuläßt packe ich noch eine Regenhose mit ein. Im Winter muß diese mit in eine der Außentaschen vom Rucksack, im Sommer habe ich bisher darauf verzichtet. Wenn ich mit kalten Temperaturen rechne - zum Beispiel Wintertouren in Deutschland - kommen grundsätzlich noch ein oder zwei Perlonstrumpfhosen mit in den Rucksack. Im Zweifel schneide ich von diesen unterwegs die Naht vorne auf oder die Füße ab, damit die Zehen mehr Bewegungsfreiheit haben. 

Badeanzug oder Bikini

Falls noch Platz im Rucksack ist darf der Badeanzug mit hinein, aber man kann auch in Unterwäsche schwimmen. Bis jetzt war Schwimmzeug immer überflüssiges Gewicht.

Weste und Jacke

Meine Weste ist das wichtigste Kleidungsstück überhaupt. Sie hat vier Taschen, in denen sich Kleingeld und allerlei Krimskrams unterbringen läßt, was schnell mal zur Hand sein muß ohne den ganzen Rucksack auszupacken. Dazu gehören auch Ersatzbatterien, der Notgroschen, Papiertaschentücher ... In der Jacke oder Weste selbst kann ich dann auch mal die Wasserflasche, den Reiseführer oder den Notproviant deponieren - wichtige Dinge müssen griffbereit zur Hand sein ohne den Rucksack ständig absetzen zu müssen.

Für eventuelle kalte Stunden oder Tage habe ich immer eine Fleece Jacke mit Inlett. Diese ist winddicht, hat ebenfalls Taschen, eine davon als Innentasche für Reisedokumente.  Selbst im Winter reicht die Jacke, wenn ein dicker Wollpulli unter der Jacke ist.

T-Shirts, Hemd

Ein T-Shirt habe ich immer an, das andere ist im Rucksack. Falls noch Platz ist, habe ich ein langärmeliges weißes übergroßes Wanderhemd im Rucksack. Gerade in Spanien helfen weiße langärmelige Klamotten gegen Sonnenbrand, der sich sonst zwangsläufig einstellen würde. Auch dieses Hemd hat eine Tasche, die Ärmel lassen sich hochkrempeln bzw. hochknüpfen. Im Winter oder Frühjahr bleibt das Hemd meistens zu Haus.

Socken, Unterwäsche

Neuerdings trage ich immer zwei paar Socken übereinander um Blasen zu vermeiden, diese Methode hat sich bewährt. Demzufolge habe ich auch zwei Ersatzpaarsocken im Rucksack. Perlonsocken kommen manchmal als Notreserve noch in den Rucksack, das hängt ganz von der Länge der Tour und den Wasch- und Trocknungsmöglichkeiten unterwegs ab. Die Menge der Unterwäsche hängt ausschließlich vom Packvolumen ab, das Gewicht ist hier für mich irrelevant.

Schuhe, Flipflops

Meine Wanderschuhe habe ich an den Füßen, diese sind bergsicher und haben einen hohen Schaft. Auf norddeutschen Strecken oder im Harz bieten sich Weitwanderschuhe oder auch Leichtwanderschuhe an. Jakobswege verlaufen auf viel zu vielen Strecken auf Teerstraßen, Weitwanderschuhe sind dann wesentlich angenehmer als Bergstiefel. Aber: Wenn doch mal eine bergige Strecke dazwischen kommt, dann ist der Knöchel definitiv hinüber. Ideal ist ein Wanderschuh, der nicht unbedingt für die alpinen Bergklettertouren geeignet ist, aber dennoch einen Knöchelschutz hat.  Wenn der Schuh zu weich ist und zuviel nachgibt ist das genauso schlecht für die Füße, als wenn er zu eng oder zu starr ist. Meine Wanderschuhe von Jack Wolfskin haben eine sehr starre Sohle, das hebt das Blasenrisiko und die Füße schlafen leicht ein - dafür sind die Schuhe auch auf extrem rutschigen Steinen trittsicher. Meine Bergstiefel von Meindl sind nicht ganz so starr, bei 25 Tageskilometern ist aber definitiv die Schmerzgrenze bei den Schuhen erreicht. Meine Weitwanderschuhe, die eher wie Turnschuhe aussehen, schaffen locker 30 Tageskilometer auch im Winter, sind dafür aber zu kalt. Daher nutze ich im Frühjahr und Sommer auf den meisten Strecken zwischen Dänemark und Bayern die Weitwanderschuhe, auf allen anderen Strecken die Bergstiefel aus Voll-Leder mit drei Packungen Blasenpflaster im Gepäck, die Jack Wolfskin sind nur noch eiserne Reserve.

Abends wollen dann meine Füße unbedingt aus den Wanderschuhen raus und bequeme Schuhe tragen, am leichtesten sind dann die Flipflops, die sich super in den Rucksack quetschen lassen. Dafür habe ich neuerdings auch ein paar Zehensocken. Im Winter sind richtig dicke Socken mit Ledersohle besser. Bevor ich die Zehensocken gefunden hatte, waren leichte Schaumstoff-Clocks mein Ersatzschuhwerk. Leider haben diese ein sehr hohes Packvolumen und ich lasse sie lieber zu Hause, sie eignen sich aber besser auf der Abendtour durch die Dörfer.

Lederne Bergstiefel müssen auch ungenutzt regelmäßig gepflegt werden, sonst bricht das Leder. Allerdings haben sie die längste Lebensdauer, wenn nicht gerade ein Schuster die falsche Sohle drunter klebt und der Schuh so seine Rutschfestigkeit verliert, hat der Voll-Leder-Bergstiefel als einziger Schuh die Chance und Qualität, die gesamte Strecke von Trondheim bis Santiago zu überstehen, allerdings auch seinen Preis. Leichtwanderschuhe sind nach etwa 700 Kilometer durchgelaufen, wenn das Straßenpflaster sehr heiß ist, können das weit weniger sein. Lederschuhe sind bei 40 Grad im Schatten ebenso gut geeignet wie bei 10 Grad unter 0. Auf keinen Fall dürfen die Schuhe zur Reparatur zu einem normalen Schuster, sie müssen zu Hersteller eingeschickt werden.

Gute Schuhe erfüllen für den Wanderer in etwa den gleichen Zweck wie Reifen für Autos, die Sohle unterliegt den gleichen temperaturtechnischen Bedingungen. 

Wanderstöcke

Auf Trainingsstrecken rund um zu Hause bleiben meine Wanderstöcke meistens zu Hause. Ansonsten kommen sie immer mit, selbst im Flachland. Wenn ich mal nicht mit Zelt unterwegs bin nehme ich einen echten Pilgerstab, wenn das Zelt im Rucksack ist, dienen die Teleskopstöcke tagsüber als Stütze - oft habe ich diese nur in der Hand - nachts sind sie das Zeltgestänge.  Die Teleskopstöcke habe ich mit abnehmbaren Gummikappen nachgerüstet, damit die Stöcke auf Teerstraßen nicht so klappern, auch davon habe ich mindestens eine Erstzkappe in irgendeiner Tasche. 

Hut und weiße Handschuhe im Sommer, Fäustlinge und Wintermütze im Winter

In Spanien, Frankreich und Italien ist ein Sonnenhut zumindest im Sommer ein MUSS, in anderen Jahreszeiten hilft er gegen Regen und Wind. Auf der Fehmarnsundbrücke haben wir den Hut nicht gegen die Sonne gebraucht, sondern um unsere Ohren vor dem Wind zu schützen. Mein Hut ist aus jeansartigem Stoff und läßt sich sowohl in den Rucksack quetschen oder an den Rucksack knoten.

Für mich gilt insbesondere in den Sommermonaten in Spanien: Ich muß mich vor der Sonne wegen meiner Sonnenallergie schützen, ich vertrage nicht übermäßig viel oder stark dosierte Sonnenschutzmilch. Deshalb habe ich weiße Handschuhe in einer der Außentaschen am Körper oder am Rucksack. Im Winter würde ich natürlich dicke Fäustlinge bevorzugen. Auf deutschen Jakobswegen gehören die Fäustlinge zwischen Oktober und März unbedingt ins Gepäck. Im Winter wird der Sonnenhut dann durch eine Mütze und Stirnband ersetzt.

Tuch

Neuerdings habe ich immer ein großes Halstuch dabei, es läßt sich abends um die Schultern schlagen, wenn es zu kühl wird, als Halstuch tragen wenn es kalt ist, als Kopftuch, wenn es zu windig ist und der Hut nicht mehr ausreicht, als Unterlage nutzen, wenn ich draußen irgendwo liegen will, ich kann mich darin einwickeln, wenn es nötig sein sollte, als Handtuch Ersatz bieten, wenn das eigentliche Handtuch zweckentfremdet wurde.

Regenschutz

Beim Regenschutz scheiden sich die Geister. Mein Regenponcho war in Spanien völlig überflüssig im Gepäck, für andere wäre er die Rettung gewesen. In Deutschland und im Herbst, Winter, und Frühjahr gehört der feste Poncho und eine Regenhose unbedingt und möglichst griffbereit mit in den Rucksack. Im Winter habe ich dann noch eine Regenjacke dabei.

Im Sommer reichen ein leichter Poncho oder eine Regenjacke und ein Regenschutz für den Rucksack. Im Zweifel würde ich immer den festen Poncho aus reißfestem Material bevorzugen, aber auch das hängt von dem zur Verfügung stehenden Packvolumen und der Tour ab. Bei einer 6-wöchigen Tour wie den Camino Francés würde ich auf Nummer sicher gehen und den festen Poncho einpacken. Ob die Regenhose  mit ins Gepäck wandert hängt von der Wettervorhersage ab. Ich checke immer schon sechs Wochen vor jeder Tour die Wetterlage, und zwar täglich! In Spanien kommt die Brandgefahr und in den Bergen Schnee und Glatteis hinzu.

Wäscheleine

Bedingt durch das Zelt habe ich auch ganz automatisch immer eine Wäscheleine dabei, ohne Zelt ist diese aber auch auf den meisten Touren überflüssig. Alle Unterkünfte haben in der Regel irgendeine Möglichkeit, Klamotten zum Trocknen aufzuhängen.

Nagelschere, Wäscheklammern, Sicherheitsnadeln, kleine Garnrolle und Nadel, Gummibänder, Zopfbänder, Karabiner, Putztuch

Zwei oder drei Sicherheitsnadeln gehören immer ins Gepäck, damit läßt sich die Wäsche prima in allen möglichen Situationen sichern. Wäscheklammern sind zwar praktischer und gehen nicht so leicht kaputt, aber sie sind größer und wiegen mehr. Eine Garnrolle und eine Nadel sind auch praktisch für diverse Dinge. Mit der Nadel lassen sich nicht nur Klamotten flicken, die Wäsche notdürftig an Aufhängevorrichtungen festnähen, einen aufgeplatzten Reißverschluß fixieren, Blasen aufstechen, Splitter aus Fingern oder sonstwo entfernen.  Ein kleiner Ersatzknopf gehört auch zum Sortiment für alle Gelegenheiten.  Die Nagelschere ist hier das wichtigste Equipment.

Mit Zopfbändern lassen sich nicht nur Haare zusammenhalten, mein Outdoornavi wird damit auch nochmal gesichert. Insgesamt habe ich davon mindestens 6 Stück im Gepäck, sie lassen sich für alles Mögliche nutzen, insbesondere auf Touren mit Zelt.

Karabiner sind noch vielseitiger als Wäscheklammern und Sicherheitsnadeln, sie sind stabil genug, damit Equipment griffbereit am Rucksack zu befestigen oder den Haustürschlüssel sicher am festgelegten Platz im Rucksack zu verwahren.

Ich habe einen großen Karabiner für mein Outdoornavi, zwei kleine für diverse Gelegenheiten. Auch gehört ein kleiner Mikrofaser-Spüllappen in meinen Rucksack, damit kann ich wahlweise entweder den Zeltboden auswischen, das Essbesteck vom Käse befreien oder im Bad als Fußabtreter benutzen. Je nach Tour muß ich mich allerdings entscheiden, welchen Zweck der Lappen erfüllen soll. Schlimmstenfalls muß ich zwei einpacken.

Taschenmesser, Teelöffel, Tasse, Wasserflasche, Reiseführer

In Spanien brauche ich mindestens zwei 1,5 Liter Wasserflaschen an richtig heißen Tagen. Wenn es nicht ganz so heiß ist, reicht meine 0,75 Liter Vilsa-Flasche, die habe ich normalerweise auf jeder Tour am Rucksack. Nur im Winter reicht mir eine kleine 0,33 L-Flasche. An ganz heißen Sommertagen stecke ich mir eine Flasche von der Größe vorne in die Weste. Dort kommt dann üblicherweise noch der Reiseführer dazu, wenn ich kein Navi dabei habe, sonst ist das Buch hinten im Rucksack, Navi und Reiseführer habe ich weder auf dem Camino Francés noch auf dem Camino Aragonés wirklich gebraucht und erst seit einem knappen Jahr im ständigen Gebrauch. Auf allen Wegen war das Buch hinten im Rucksack super aufgehoben, nur auf dem Voie d’Ossau war es drei Tage ständig in meiner Weste.

Auch der Camino del Norte, der Camino Portugues und die Via de la Plata gehören inzwischen zu den Strecken, die eine andere Orientierungshilfe außer gelbe Pfeile sicher nicht brauchen. Meiner Meinung nach sind inzwischen die spanischen Jakobswege viel zu gut ausgeschildert, uns entgeht dadurch das große Abenteuer einer Schnitzeljagd nach gelben Pfeilen quer durch Spanien.

Eine leichte Tasse gehört auch neuerdings zu meinem Equipment, auf den spanischen Hauptwegen wäre diese aber überflüssig. Wichtiger ist dann schon der Teelöffel, unterwegs gibt es auf allen Strecken immer wieder Supermärkte, in denen man sich mal einen Joghurt kaufen kann. Ob die Supermarktkette Eroski in Spanien immer noch das Angebot für Jakobspilger hat, mit Pilgerpass dort kostenlos einzukaufen ist mir allerdings nicht bekannt. Der Teelöffel gehört auch zu den wenigen Dingen, die man unterwegs nicht so leicht nachkaufen kann.

Essen & Marschverpflegung

Leider eignet sich Schokolade überhaupt nicht, sie schmilzt in der heißen Mittagssonne. Auch verzichte ich unterwegs und auch abends grundsätzlich auf Süßigkeiten und Cola oder andere Süßgetränke. Abends kaufe ich mir oft im naheliegenden Supermarkt einen Liter Fruchtsaft und leere den Tetrapack noch am gleichen Abend. Als Marschverpflegung bevorzuge ich immer wieder Müsliriegel, leider haben diese zu viel Zucker, in Biomärkten gibt es neuerdings Fruchtriegel. Meine Lieblingsvariante sind aber immer noch getrocknete Feigen. In manchen Läden gibt es inzwischen Feigenbrot mit Mandeln.  Zusammen mit französischem Baguette und einen echten alten Bergkäse ergibt das ein perfektes Abendessen oder auch Pausenmalzeit. In Spanien auf dem Camino Francés haben mir aber auch die Datteln gereicht, dort ist ja alle paar Kilometer irgendwo eine Bar. Dort gibt es auch Tortilla francesa und andere kleine Zwischenmalzeiten. Meine bevorzugte Liste der Malzeiten in Spanien: 

An dieser Stelle kurz das Essen in Spanien in Kürze:

  • Tortilla francesa - Rührei, wahlweise mit Kartoffeln oder Gemüse, oft mit Weißbrot oder Baguette
  • ensalada - Salat, meistens grüner Salat mit Tomaten und Zwiebeln, manchmal mit Ei - immer mit Olivenöl
  • bocadillo - halbes Baguette mit einer Scheibe Käse oder Schinken - mir war das immer zu trocken, Butter auf dem Brötchen gibt es nicht. Außerdem ist die Portion viel zu groß als Zwischenmalzeit und Spanien ist zu heiß, den Käse oder Schinken einen halben Tag durch die Sonne zu schleppen.
  • Cortado - doppelter Espresso mit heißer Milch – der beste Kaffee überhaupt
  • frisch gepreßter Orangensaft

Wenn es sich nicht gerade um eine der Hauptstrecken in Spanien handelt gibt es leider viel zu wenig Möglichkeiten unterwegs oder abends Kaffee zu trinken. Deshalb habe ich auf weniger bekannten Strecken eine Klickdose mit Instantkaffee und eine mit Trockenmilch im Gepäck. Wenn wir zu zweit sind, haben wir noch eine Klickdose mit Brot oder Feigen mit. Das Taschenmesser öffnet problemlos Lebensmittelpackungen, zerteilt Käse oder Dauerwurst und Brot. Zwischendurch kann man damit auch seinen Pilgerstab schnitzen, wenn man noch einen Stock im Wald findet, welcher gerade und lang genug ist. 

Autan, Sonnencreme, Schmerzgel, Schwarzkümmelöl

Autan habe ich in den letzten Jahren immer dabei gehabt und nie wirklich genutzt. Nur in Polen war das Mittel eine wirklich sinnvolle Hilfe, in der Bretagne hat die Chemie die Insekten eher noch wild gemacht, in Spanien konnten wir darauf völlig verzichten. Die wenigen verpaßten Gelegenheiten, die Insekten damit zu verscheuchen rechtfertigen nicht das zusätzliche Gewicht und das zusätzliche Packvolumen.

Die Sonnencreme ist in Spanien und Frankreich ein absolutes MUSS. Neuerdings habe ich eine alte Handysocke an einem kleinen Karabiner mit einer kleinen aber leichten Schminkdose mit Sonnencreme immer in griffbereiter Nähe vorne am Rucksack. Die restliche Sonnencreme ist dann im Rucksack verstaut. Selbst für Spanien hat für mich eine halbe Flasche gereicht. Die Sonnencreme kommt übrigens auch in die Haare, damit diese nicht total verkletten. Daß Creme Haare fettig aussehen lassen ist totaler Blödsinn, die Haare brauchen ebenso Sonnenschutz wie die Haut, nur eben nicht so viel.

Auch Schmerzgel fülle ich neuerdings in eine kleine Schminkdose um, damit nicht die ganze Tube in den Rucksack muß. Tuben lassen sich sowieso nur schlecht im Rucksack verstauen, Dosen mit Schraubverschluß sind grundsätzlich praktischer. Neuerdings gibt es diese kleinen Dosen auch in Outdoorläden und Drogerien.

Schwarzkümmelöl hat sich als Zeckenvorsorge bewährt. Von diesem in der Apotheke erhältlichen Öl wird morgends ¼ Teelöffel eingenommen, das Öl hält knappe 24 Stunden jede Zecke von mir fern. Das Öl gibt es auch in Kapseln, ist aber leider wirkungslos.

Blasenpflaster

Normalerweise habe ich davon drei Packungsinhalte im Gepäck. Die eigentliche Dose kommt in eine meiner Taschen am Körper, die Ersatzpflaster in eine Tüte in den Rucksack.

Handtuch

Im ersten Jahr hatte ich ein ganz normales Handtuch im Gepäck und wegen dem überflüssigen Gewicht und Packvolumen schnell unterwegs entsorgt. In Spanien reicht ein kleines Tuch in der Größe eines Spüllappens schlimmstenfalls als Handtuch. Neuerdings habe ich allerdings zwei Outdoorhandtücher im Rucksack, ein großes für den Kopf und ein kleines für den Körper. Das kleine kann dann auch mal umfunktioniert werden und in der Dusche als Unterlage dienen, oder es erfüllt den Zweck eines Fußabtreters, falls das Bad mal zu dreckig ist.

Seife, Shampoo

Ein kleines Stückchen wohlriechende Seife für den Körper und die Wäsche, wenn noch Platz im Rucksack ist, kommt noch ein angebrochenes Stückchen Kernseife dazu. Als Shampoo nehme ich neuerdings Shampoo-Seife am Stück. Dafür habe ich eine kleine Blechdose, auf die man aber gut verzichten kann. Die Stückchen Seife wandern in einen Waschhandschuh, der sich prima an einer Wäscheleine oder woanders aufhängen läßt, auch am nächsten Morgen kann er am Rucksack baumeln. Flüssiges Waschmittel in jeder Form hat mehr Gewicht und mehr Packvolumen, der Waschhandschuh erfüllt bei Bedarf auch andere Zwecke.

Zahnbürste, Zahnpasta

Zahnpasta-Tuben sind doof, wenn sie zu groß sind. Die kleinen Probepackungen aus den Drogerien sind praktischer. Es gibt auch eine Marke, die eine Zahnpasta herstellt und diese in einer kleinen roten Tube verkauft. Wenn ich diese in einer Drogerie vorfinde und eine Tour bevorsteht, gehört sie in meinen Einkaufskorb.

Herkömmliche Zahnbürsten sind einfach zu sperrig, sie in den Rucksack zu quetschen. Weniger das Gewicht als die Länge sind das Auswahlkriterium für meine Zahnbürste, daher kommt entweder eine Kinderzahnbürste, eine Aufsatzbürste der elektrischen Zahnbürste ins Gepäck oder der Stiel wird abgesägt.

Papiertaschentücher, Taschenlampe

Je nach Rucksackinhalt habe ich zwischen zwei und vier Packungen davon in meinem Gepäck. Wer nachts mal aufs Klosett muß, braucht die Taschenlampe. An besonders heißen Tagen haben wir den Tagesetappen die Nachtwanderungen vorgezogen, auch dann ist eine Taschenlampe praktisch.

Sonnenbrille und Brillenputztuch

In den Sommermonaten habe ich immer eine Sonnenbrille in der Bauchtasche. Nachts wandert die Sonnenbrille lose in die Bauchtasche, die dann an das Bettgestell gehängt wird, wenn keine andere sichere Lagerungsmöglichkeit besteht, insbesondere im Hochbett. Die richtige Brille kommt nachts ins sichere Brillenetui und entweder auch in die Bauchtasche oder griffbereit in den Schlafsack.

Reisedokumente

Während der An- und Abreise sind die Reisedokumente wie Personalausweis, Flugticket, Zugfahrschein, EC-Karte, Kreditkarte Notfalltelefonnummernliste in einer meiner Taschen der Jacke oder Weste. Während der Tour sind diese Dinge in der Innentasche vom Rucksack, dort ist auch der Haustürschlüssel an einem Karabiner.

Sonstiges

Wenn wir auf unseren Ausschilderungstouren unterwegs sind haben wir dann noch: Hammer, Nägel, Platten für Schilder, Aufkleber, Sprühfarbe, kleine Heckenschere. Dann entfallen allerdings einige der oben aufgelisteten Dinge. Lebensmittel und Zeltequipment verteilen wir auf zwei Rucksäcke, wenn wir zu zweit unterwegs sind.

Was man weglassen kann, wenn man auf einer gut begangenen Strecke unterwegs ist oder Gewicht sparen will

  • Handy, Smartphone, Kamera sind      Luxus und nicht lebenswichtig
  • Zelt und Isomatte braucht man nur, wenn zu wenig Herbergen vorhanden sind oder man die großen Massenunterkünfte meiden will oder muß.
  • Autan, Schmerzgel - man kann die kleinen Unannehmlichkeiten auch aushalten und seine Tour den Bedürfnissen anpassen.
  • Putzlappen, Teelöffel, Taschenmesser, Tasse, Marschverpflegung - darauf kann man oft verzichten.

Wer alles von dieser Liste einpacken will, braucht einen Lastesel. Jedes Mal suche ich vor der Tour die Dinge zusammen, lege sie auf den Tisch, packe den Rucksack ein und dann wieder aus, tausche die Dinge aus und überlege nochmal eine neue Variante.

Schuhe, Klamotten und der Tascheninhalt am Körper, Wasserflasche und Wanderstöcke, Bauchtasche samt Inhalt oder alternativ Kameratasche zählen für mich nicht zum Gesamtgewicht der zu bewältigenden Kilos. Der Rucksack darf maximal 10% des eigenen Körpergewichtes betragen, ich konnte diese 10%-Regel nur in Spanien und auf der Via Gebennensis einhalten, dementsprechend mager sehen auch meine Fotos aus. Die Verlagerung des Gewichtes auf andere verfügbare Taschen ist genauso wichtig für mich wie das Gesamtgewicht, gleichmäßige Gewichtsverteilung ist wichtig um nicht nach hinten zu kippen oder Schlagseite zu bekommen.

Fahrrad

Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, muß diese Packliste noch um Fahrradwerkzeug und einen Fahrradhelm erweitern. In Spanien ist Helmpflicht!

Die entsprechenden Reiseführer haben eine lange Packliste. Insbesondere zwei Ersatzschläuche scheinen besonders wichtig zu sein. Außerdem kann man nicht in jedem Dorf mit einer Fahrradreparaturwerkstatt rechnen und zumindest die Franzosen haben andere Ventile. Die spanischen Linienbusse nehmen keine Fahrräder mit, das macht die Rückreise kompliziert, das Rad muß für den Rücktransport im Flugzeug extra verpackt werden. Pilger, die mit dem Fahrrad auf einer der Strecken waren berichten von sportlichen Höchstleistungen, weil viele Strecken nicht fahrradtauglich sind und ich habe auch einige gesehen, die große Schwierigkeiten mit ihren Rädern hatten, oft schleppt der Radler erst seine Satteltaschen, dann sein Fahrrad den Berg hinauf. Viele jammern deshalb über die zu Hause vor sich hin staubenden nicht vorhandenen Wanderschuhe. Für Deutschland und Frankreich ist das Fahrrad sicherlich eine gute Alternative, Spanien ist aber bergiger als man denkt. Radpilger können sich von Garmin das kostenlose Programm für gps-tracks holen und dort das Höhenprofil einsehen. 

Fußpilger haben in den Herbergen Vorrang vor den Radpilgern, ein Radpilger braucht wahrscheinlich zwingend Zelt und Isomatte. Die Radpilger erleben den Jakobsweg völlig anders als Fußpilger. Sie haben sehr unterschiedlich lange Etappen, dadurch unterbleiben etliche Kontakte. Selten trifft ein Radpilger einen anderen Radpilger ein zweites Mal.

Es gibt viele Spanier, die gerade mit dem Abitur fertig sind und den Jakobsweg an den Wochenenden oder in einer knappen Woche bewältigen. Sie sind super sportlich und haben die Statur eines Leistungssportlers, ihr Rucksack ist sehr klein und beinhaltet gerade mal die Zahnbürste und die Wasserflasche, oft haben sie keine Fahrradtaschen und schaffen deshalb die Strecke in einem sehr schnellen Tempo. Meistens sind sie zu zweit oder dritt unterwegs, deshalb haben sie immer genügend Gesellschaft unterwegs.

Alleine schon das schwere Fahrradschloss schreckt mich davon ab, einen solchen Weg mit dem Rad bewältigen zu wollen, deshalb haben meine Wanderschuhe gewonnen.

Toleranz, Zeit, Ruhe, Geduld und Ohrenstöpsel

Für Sportler oder radfahrende Postboten ist eine solche Tour vielleicht auch auf den ersten Tagen eine Erholung, für alle anderen  sind ersten Tage einer Weitwanderung als Pilgertour etwas stressig für den Körper, daher sollten die ersten Tagesetappen nicht allzu lang sein. Je nach Sportlichkeit und Fitneß braucht man drei bis zehn Tage, um sich an den neuen Tagesrythmus zu gewöhnen, denn der besteht zumindest die ersten Tage nur aus Aufstehen, Rucksack packen, manchmal frühstücken, gehen, gehen und gehen, essen, ankommen und kurz pausieren, duschen, Rucksack auspacken, duschen, Wäsche waschen, zu Abend essen, schlafen, wieder aufstehen, ...

Aus diesem Grund ist es sinnvoll, möglichst viele zusammenhängende Tage zu haben. Nach der Eingewöhnungszeit beginnt der eigentliche Genuß des Weges. Allerdings gilt: Je öfter man sich auf eine solche Tour begibt, desto kürzer wird die Eingewöhnungszeit.

Es steht jedem frei, diese Strecke zu laufen, zu gehen, mit dem Rad zu fahren oder zu reiten. Die einzige Voraussetzung ist, sie aus eigener Muskelkraft zu bewältigen. Egal welcher Herkunft, Religion, Beruf oder Alter, König oder Bettler, sie kommen alle, sie werden gleichwertig behandelt und respektieren einander. Es wird weder gejammert noch geklagt, auch nicht über die nächtlichen Dauerschnarcher. Ohrenstöpsel gehören unbedingt mit ins Gepäck, es sei denn man hat sein eigenes Zelt dabei.

Gott, Jakobus, Kirche & Religion

Hape Kerkeling hat in seinem Buch über den Jakobsweg ausgiebig das Thema Bibel und Kirche mit seinen Worten umschrieben, der Teil des Buches ist meiner Meinung nach der einzig wirklich lesenswerte Teil seiner Dokumentation vom Jakobsweg. 

Als der Handlanger von dieser göttlichen nicht vorhandenen Vorstellung gelten die Jünger Jesu, einer davon ist Jakobus. Auf unseren Wegen kommen wir immer wieder in die unmöglichsten und für uns in dem Moment schwierigen Situationen. Niemand von uns würde sich einer solchen Situation freiwillig stellen. Meistens denken wir dann nur: Jakobus, hilf uns! Die Lösung folgt in der Regel prompt und lag bis dahin ebenfalls außerhalb unserer Gedankenwelt oder Vorstellungskraft. Dadurch bezwingen wir die uns von unserer Umwelt künstlich anerzogenen Ängste. Manchmal werden wir dann etwas zu wagemutig oder übermütig. Jedes Jahr haben wir mindestens ein solches Erlebnis. Mal ist es die Schrecksekunde, versehentlich eine Schlange angefaßt zu haben, der fliegende Ameisenschwarm im Schlafsack, der dreistöckige Bettenturm in Viana oder das hilflose Herumirren auf völlig einsamen Pfaden hoch oben in den Pyrenäen bei Sonnenuntergang ohne Herberge in Sicht. Wer Höhenangst hat und sich für die Alternativstrecke, die vom ostbayrischen Jakobsweg abzweigt und über Mittenwald nach Tirol führt, wählt hat keine Wahl: Die Angst wird ignoriert und diese ist bald verschwunden, während der tosende Wasserfall etwa 15 Meter unter der Brücke der Leutascher Klamm hindurch tobt. 

Aus diesen Gründen sind die Streckenführungen aller Jakobswege sorgfältig ausgewählt und von einer mehrköpfigen Kommission begutachtet worden. Auf keiner der Strecken braucht man Steigeisen, Klettergurte, Werkzeug zum Anseilen oder sonstige Sicherheitsvorkehrungen, die Wanderbücher sind vorher sorgfältig zu lesen. Dort stehen Besonderheiten der jeweiligen Teilstrecke.  

Und wie alle Jakobspilger haben wir noch zusätzlich Jakobus im Gepäck, zumindest gedanklich.

Die Kirche spielt auf allen Pilgerwegen eine wesentliche Rolle. Sie hilft nicht nur mit Rat sondern auch mit Tat. Sie stellt oft genug Pilgerherbergen, gerade in Regionen die sonst dünn mit Pilgerherbergen bestückt sind. Dadurch macht sie dieses besondere Erlebnis erst möglich.

Jakobusvereine

Fast alle Europäer haben jetzt wieder die Möglichkeit, zu Fuß, mit dem Pferd oder mit dem Fahrrad nach Santiago de Compostela, Rom oder Jerusalem zu kommen. Nein, ohne diese Infrastruktur ist eine solche Tour nicht möglich. Brücken und Flüsse, Autobahnen und Bahntrassen durchschneiden Landschaften, zu wenig Unterkunftsmöglichkeiten in der Nähe der bestmöglichen Streckenführung, zu viele Teerstraßen und Autos machen eine schlecht geplante Tour zu einem unmöglichen Unternehmen. Den Versuch, eine Tour mit einem Navi und der Autorouting-Funktion durchzuführen, ergibt das totale Desaster: Fußgänger landen auf Autobahnen, Radfahrer mitten im Wald auf einsamen, unbefahrbaren Wegen.

Deshalb haben Jakobuspilger, Wandervereine, Tourist Informationen und Gemeinden ein Netzwerk geschaffen, welches im Wesentlichen aus Informationen und Hilfsbereitschaft besteht. Dieses Netzwerk stellt Informationen über Unterkünfte und Wegbeschreibungen bereit, es werden günstige Unterkunftsmöglichkeiten gesucht, weil ansonsten die oft monatelangen Wanderungen kaum zu finanzieren wären.

Jakobspilger bilden seit über 1000 Jahren Netzwerke der Freundschaft über alle europäischen Grenzen hinweg, viele sprechen mehrere Sprachen, sind ehrenamtliche Helfer in Pilgerherbergen, Wegekoordinatoren, Buchautoren, Gruppenleiter, ... Jede Jakobusgesellschaft nimmt gerne neue Mitglieder auf.

 

externe links:

http://weitwanderwege.eu/

http://lighthouse-bremen.de/